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"Literatur ist das Fenster zur Seele des Menschen" Isaac Bashevis Singer
EINLEITUNG Isaac Bashevis Singer lebte in einem Zeitraum, den man wohl als einen der aktivsten und unbeständigsten in der Geschichte der Menschheit bezeichnen könnte. Er verbrachte seine Kindheit in einem der ärmsten Viertel Warschaus. Bereits in den ersten Jahren seines Lebens kam er mit der zerstörerischen Wirkung des Krieges in Kontakt. Als er geboren wurde, bauten sich in Europa große politische Spannungen auf, welche die europäischen Staaten zu spalten begannen. Diese Spaltung führe zu großen Instabilitäten, die am 2. August 1914, 19 Tage nach Singers zehntem Geburtstag, zum Beginn des 1. Weltkrieges führen sollten. Der Krieg überzog den gesamten Kontinent und brachte 10 Millionen Menschen den Tod. Singer wandert in die USA aus, um den Kriegen zu entgehen, denn bereits 1939 geht von Deutschland der 2. Weltkrieg aus. Nun sollte eine schreckliche Ära des Totalitarismus und Faschismus folgen. Nach dem 2. Weltkrieg begann Singer in Amerika seine literarische Laufbahn, deren Höhepunkt ohne Zweifel die Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1978 darstellte. Am 24. Juli 1991 starb Singer, während sich ein neuer Krieg zwischen Amerika und dem Irak bereits abzeichnete. "Man kann mehr Normalität von den absonderlichen Fällen erforschen." ( Singers Antwort auf die Frage, warum er oft jüdischen Hexen, Teufel und Prostituierte in seinen Büchern spielen ließ.) CHRONOLOGIE 1904 Singer wurde am 14. Juli in dem polnischen Dorf Radzymin in der Nähe von Warschau geboren. Seine Eltern waren Pinchos Menachem und Bathshba Zylberman. Sein Vater war Rabbi an der Hasid Schule und auch seine Mutter stammte ebenfalls aus einer Familie von Rabbis. Der vom Vater gelehrte Hasidismus (Haskala) kombiniert einerseits die strengen Regeln und Traditionen des Talmud und andererseits eine sehr lebensnahe, menschliche und erfahrungsbezogene Sichtweise des Lebens und der Religion. Diese jüdisch-aufgeklärte Betrachtungsweise spiegelt sich auch in Singers späterem literarischen Schaffen wieder. 1905 Im Januar kommt es in der polnischen Hauptstadt zu Unruhen. 1908 Singer und seine Familie ziehen nach Warschau. 1914 Der Erste Weltkrieg beginnt. 1917 Singer und sein Bruder Joshua ziehen mit Ihren Großeltern in das Dorf Bilgoray. Sein Bruder, ein Schriftsteller, hilft ihm die geistige Freiheit und das Verständnis für politische, soziale und kulturelle Belange heranzubilden, die ein Schriftsteller für sein Schaffen benötigt. Die Eltern hingegen leben ihm das Vertrauen auf Gott vor. Der Bruch zwischen religiöser Tradition und der sozialen Realität, zwischen Mystik und gedanklicher Freiheit werden zum essentiellen Thema in Singers Kurzgeschichten und Novellen. 1921 Singer geht zurück nach Warschau und nimmt an religiösen Lehrstunden (Seminaren) des Vaters teil. 1923 Singer verlässt die Seminare bei seinem Vater und nimmt eine Arbeit beim jiddischen Literaturmagazin "Literarische Blätter" an. 1927 Singer veröffentlicht seine erste Arbeit. 1933 Hiterdeutschland beginnt die Hetzkampagnen gegen die jüdische Bevölkerung. 1934 Singer veröffentlicht seine erste größere Arbeit mit dem Titel "Shoten an Goray" (Satan in Goray). Die Arbeit basiert auf seinen Erfahrungen in Bilgoray und erscheint als Serie in der jüdischen Zeitung "Globus" kurz bevor der Autor in die Vereinigten Staaten auswandert. Das Buch erzählt von einem falschen Messias, der Massenhysterie um ihn, seinem Aufstieg und Fall, dem Zerbrechen von Illusionen und Träumen und vom Verlangen der Menschen nach Klarheit. Seither ist eines der Hauptthemen Singers die "...Tyrannei des Verlangens..." und deren Auswirkungen auf die Menschen. Er personifiziert diese Verlangen als Dämonen, Geister und alle Arten von übernatürlichen Kräften, und Singer selbst sagte, daß er an deren physische Präsenz glaube. 1935 Singer wandert nach Amerika aus. Er muss seinen unehelichen Sohn in Polen zurücklassen und wohnt vorerst bei seinem Bruder Israel Joshua in New York. Er heiratet und arbeitet für den "Jewish Daily Forward", eine jüdische Zeitschrift. Er entschließt sich Vegetarier zu werden. 1939 Der Zweite Weltkrieg beginnt. 1940 Am 14.Februar heiratet Singer Alma Haimann. 1943 Singer wird offiziell Staatsbürger der Vereinigten Staaten von Amerika. 1944 Israel Joshua stirbt an einer Herzattacke. Singer sagte, er hätte seinen "geistigen Vater" verloren. 1945 Der Zweite Weltkrieg endet. Schätzungsweise 5.7 Millionen Juden starben in deutschen Konzentrationslagern und während des Krieges. 1950 Die erste von Singers Novellen "Die Familie Mushkat" (The Family Moskat) wird in englischer Sprache veröffentlicht und seine internationale Popularität beginnt zu wachsen. 1953 "Gimpel the Fool", eine von seinen zahlreichen phantastischen Kurzgeschichten, wird im "Partisan Review" veröffentlicht. 1961 "The Spinoza of Market Street" erscheint. 1965 Singer wird der "French Foreign Bool Prize" verliehen. 1967 Singers Werk "The Manor" erscheint. Der Autor beginnt einige seiner Kurzgeschichten für Kinder als Tonaufnahmen zu publizieren. Er erhält diverse Auszeichnungen für seine Arbeit. 1969 Das Buch "The Estate" bildet den Abschluß der epischen Trilogie ( Moskat, The Manor 1970 "A Friend of
Kafka" erscheint. 1973 "A Crown of Feathers" erscheint. 1978 Singer wird der Literaturnobelpreis verliehen. 1990 Seine Geschichte "Enemies" wird verfilmt. Das alltägliche Leben ist hier durchwoben mit Wundern und Träumen, der Moment der Gegenwart mit dem Blut der Vergangenheit. 1991 Singer stirbt am 24.Juli im Alter von 87 Jahren. FAMILIÄRE PRÄGUNG Das Singersche Familienklima war von religiöser Ernsthaftigkeit, humorvoller Toleranz, rationaler Aufgeklärtheit, weltlicher Bildung und mystischem Wissen gekennzeichnet und formte den späteren Schriftsteller. Es bestanden enge innerfamiliäre Bindungen, die durch das Leben im Schtetl noch gestärkt wurden. Außerdem musste Singer für sich den richtigen Weg zwischen den von seinem Bruder Joshua gelehrten rationalen Blickwinkeln auf die Religion von z.B. Spinoza und des ihm von seinen Eltern vorgelebten Vertrauens auf Gott finden. GEDANKEN ZU POLITIK UND KULTUR Singer bezeichnete sich selbst als politisch konservativ. Er war der Auffassung, dass wenn Geschichten zu sehr predigen, die Leser schnell gelangweilt seien und die Geschichte die gewünschte Wirkung verfehlen würde. Er sagte einmal: "I have never seen a single political novel which came out very well ..." (Ich habe nie eine politische Geschichte gesehen, die beim Leser wirklich gut angekommen wäre...) Singer war der Auffassung, dass sich eine starre politische Meinung nicht positiv auf das Schaffen eines Schriftstellers auswirken kann. Er fühlte sich nicht einer politischen Meinung oder einem politischen System zugehörig, sondern einem Glauben. "Ich schäme mich nicht, daß ich ein Jude bin, ganz im Gegenteil, ich bin stolz. Ich schreibe über Juden und ich schreibe in jiddischer Sprache...". Singer glaubte, daß jemand, der über sein kulturelles Erbe nicht Bescheid weiß, niemals ein guter Schriftsteller sein könne. Er sah die Literatur als ein Mittel, um kulturelle und politische Differenzen überbrücken zu können. "Jiddisch beinhaltet Vitamine, die andere Sprachen nicht haben."
LITERARISCHE EINFLÜSSE
LITERARISCHE QUELLEN Allison, Alida. Isaac Bashevis Singer: Childrens stories and Childhood Memoirs. New York: Twayne Publishers, 1996. Burgin, Richard. Conversations with Isaac Bashevis Singer. New York: Doubleday & Company, Inc, 1985. Kresh, Paul. Isaac Bashevis Singer, The Story of a Storyteller.
1st ed. E. P. Dutton, 1984. Mckay, John P., Bennett D. Hill and John Buckler. A History of Western Society. 6th ed. Vol 2. Houghton Mifflin Company 1999. 2 Vols. Schlesinger, Arthur M. Jr. Chronicle of the 20th Century. New York: Dorling Kindersley, 1995. Singer, Isaac Balshevis. Der Fatalist: Anhang von Jürgen Rennert. Leipzig;1980. Gale Library Databases. Date unknown. (http://www.galenet.com/servelet/LRC.htm) October 10, 1998. Jewish Hall of Fame. January 22, 1998. Maureen Kofkee's English 245 / Comparative Literature 267 class (http://www.english.uiuc.e) The Nobel Foundation ![]() "Verloren in Amerika" Isaak Bashevis Singer Einleitung Als Fiktion vor einem Hintergrund von
Wahrheit betrachtete Isaac Bashevis Singer, der 1978 den Nobelpreis für
Literatur verliehen bekam, seinen autobiographisch gefärbten Roman Verloren
in Amerika. Inhaltsangabe 1923 erhält er eine Anstellung als Korrekteur
bei der Warschauer Zeitschrift Literarische Blätter. Isaac lebt arm,
krank und hungrig. Er als hungriger Edelmann bittet nicht um Hilfe, vor
allem nicht seinen Bruder. Er sehnt sich nach einer Geliebten, da ihn die Frauen
anziehen und die Kabbala selbst die Vereinigung von Mann und Frau als göttlich
betrachtet. Vor der Kälte findet er in SchriftstellerKlubs und Bibliotheken
Zuflucht. Isaac schließt eine enge Freundschaft zu dem religiösmystischem
Dichter Aaron Zeitlin und beginnt sich mit Parapsychologie zu befassen. Als erneut der Militäreinzug droht und die Lage
für polnische Juden unerträglicher wird, befasst sich Isaac mit dem Gedanken
nach Erez Israel auszuwandern. Er macht Bekanntschaft mit Penna Stefa, die ihrem
Liebsten nachreisen will und schwanger ist. Die Ausreisepapiere erhält sie nur
bei Heirat, für die Isaac in Frage kommt. Letztlich findet die Vermählung
nicht statt, weil sich Stefa zur Heirat mit einem reichen alten Kaufmann
entschließt. Das Zielland der Ausreise wird Amerika, wohin bereits Josua mit
Familie emigrierte. Die langsame Bürokratie allerdings hindert Isaac. Vielerlei Liebschaften und einen Sommer mit der
lesbischmannhaften Trotzkistin Lena, die von ihm schwanger wird, verlebt
Isaac, der schüchterne Abenteurer vor seiner Abreise gen Amerika im
April 1935. Auf seinem Weg Richtung Westen durchquert er Deutschland, das
Land der Inquisition, und macht an Bord seines Überfahrtsschiffs
Bekanntschaft mit der Warschauerin Zosia. Amerika empfängt ihn überströmend - laut. Die
Familie seines Bruders leidet noch immer unter dem Tod des ältesten Sohnes.
Singers Hauptfigur fühlt sich fremd und verloren, Heimaterinnerungen übermächtigen
ihn. Seine jüdische Abgegrenztheit wird ihm bewusster denn je. Noch immer plagt den einfach und ärmlich
hausenden Schriftsteller die Suche nach der Zauberformel zur Lösung der Rätsel
dieser Welt. Er lebt einsam, abgegrenzt von der Gesellschaft mit Büchern dahin.
Zwar verschafft ihm das Arbeiten als Co-Regisseur eines Theaterstücks
kurzzeitig Geselligkeit und die Verehrung der Jiddischisten, bald aber fällt er
in Melancholie zurück. Isaac ist faul, des Lebens müde und grübelt. Als ihn
ein Telegramm Lenas erreicht, die ihn darin zur Alimentenzahlung für den
gemeinsamen Sohn auffordert, durchdringt ihn der Gedanke mit dem Singers Roman
gleichzeitig endet: Ich bin verloren in Amerika, verloren auf
immer. Singers Stil Verloren
in Amerika zeugt von Klarheit, da zumeist einfach Sätze das Seitenbild
bestimmen. Die Unterteilung in Kapitel erhöht zudem die Anschaulichkeit und
gibt Zeit zum Verarbeiten und Verschnaufen. Prägende Themen des Buches Liebe und Sexualität spielen für die
Hauptfigur Singers eine große Rolle, für ihn als Mann, Liebeshungrigen und für
ihn als Schriftsteller. Er will es anders machen seinen Trieben beinahe
freien Lauf lassen und die jiddische Literatur enthemmen. Über Liebe zu schreiben und Sex
auszuklammern, ist ein sinnloses Unterfangen. Er erkennt, daß ein Schriftsteller nur über
das gut schreiben kann, was er gut kennt. Drei Kriterien stellt er für seine
literarischen Arbeiten auf: Daß ich diesen Glauben nicht besitze, das
ist die Geschichte, die ich hier erzählen will. Die politischen Hintergründe spielen in das
Geschehen stets mit hinein und so lernt man viel über die polnische
Landesgeschichte und die Rolle der Juden darin, über den russischen Konflikt
zwischen den Marxistischen Splittergruppen und über die Gräueltaten Hitlers,
Stalins, Mussolinis und Chmielnizkys. Ich träumte von einem Stern, auf dem man
das Wort Jude noch nie gehört hat. Welche böse Tat haben die Juden
vollbracht, daß man sich ihrer schämen muß? Meine
Meinung
Verloren in Amerika las ich in sehr kurzer Zeit, auch weil es mich ansprach
und zeitweise regelrecht fesselte. Es weist Qualitäten auf, die ich persönlich
an Büchern schätze; eine Vielfalt an verschiedenen Entwicklungen
Philosophisches, Persönlichkeitsentfaltendes, Beziehungsbetreffendes. Zusammenfassend
möchte ich Verloren in Amerika als sehr lesenswert einstufen. Man
bekommt ein ausgeprägteres Verständnis für Jüdischkeit, das Leben Singers
und sich selbst. Dieses Buch treibt einen voran, wenn man sich auf die nicht
direkt geäußerten Fragen einlässt und genau das macht ein gutes Buch aus. verfasst von: Juliane
Hummitzsch |
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