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Der Anteil von Juden am wirtschaftlichen und geistig-kulturellen
Leben Deutschlands an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
In Handel, Gewerbe und Industrie In der Zeit der Industrialisierung setzte eine zunehmende Landflucht
ein. Aufgrund ihrer Vergangenheit und ihrer Ausbildung fanden die jüdischen
Zuwanderer Eingang in unabhängigen Berufen , als Ladenbesitzer, Kleinfabrikant,
Exporteure und In der Geisteswissenschaft Der wohl bekannteste Name in dieser Richtung ist sicherlich Sigmund
Freud ( 1856 - 1939 ). Er begründete die Psychoanalyse und erweiterte
die Psychologie durch Einbeziehung des Unbewussten und durch neue
Einsichten der Triebdynamik. Obwohl er In der Naturwissenschaft In der Weimarer Republik waren unter fünfzehn Nobelpreisträger
fünf deutsche Juden: Albert Einstein ( Physik ), Otto Meyerhof ( Medizin ), James Franck ( Physik
), Gustav Hertz (Physik), Otto H. Warburg ( Medizin ). Einstein ist zwar sicher der prominenteste Vertreter, aber es gab auch
andere Naturwissenschaftler jüdischer Herkunft, die auf ihrem Gebiet
Bedeutendes geleistet haben. So entwickelte Paul Ehrlich eine Methode zum
Färben von Blutzellen, die Hämatologie. Außerdem war er
der Begründer der Chemotherapie, welche noch heute in der modernen
Pharmazeutik angewandt wird. Fritz Haber erfand ein Verfahren zur synthetischen
Herstellung von Ammoniak, welches für die Produktion von Kunstdünger
eingesetzt werden konnte. Angesichts der Geschehnisse unter Hitler mussten viele Juden,
unter ihnen auch Albert Einstein in das Ausland emigrieren, was sie aber
nicht von ihrem Forscherdrang abbrachte. So erhielt Otto Meyerhof eine
Gastprofessur an der Universität Philadelphia. Gustav Hertz überlebte
die schwere Zeit in Deutschland und wurde, nachdem er einige Jahre in Russland verbracht hatte, in Leipzig Professor an der Universität ( 1954 ).
So erhielten wenigstens einige nach dem Krieg die lange verweigerte Anerkennung
für ihre harte und entbehrungsreiche Arbeit im Dienste der Wissenschaft.
Frauenemanzipation Die erste Frau in Deutschland die sich damit beschäftigte war wohl Rahel Levin-Varnhagen. Sie lehnte die Hegemonie des Mannes ab und forderte schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine gesetzliche sowie gesellschaftliche Gleichstellung der Frau. Ihre Ideen wurden von Fanny Lewald (1811-1889) weitergeführt. Sie sah die Emanzipation der Frauen im engen Zusammenhang mit der Emanzipation der Juden und Befreiung der Arbeiter. Ebenfalls kritisierte die Schriftstellerin in ihren Romanen die Konventionsehe. Sie veröffentlichte 1870 eine Kampfschrift, in der sie die uneingeschränkte Gleichberechtigung der Frau forderte. Ein Jahr zuvor veröffentlichte Friederike Kempner eine Schrift zur Abschaffung der Einzelhaft. Sie kämpfte mit Erfolg für die Errichtung von Leichenhäusern und erreichte die Aufhebung der Einzelhaft bei lebenslänglich Inhaftierten. Allerdings wurden ihre Leistungen auf sozialem Gebiet und gegen den Antisemitismus durch ihren Ruf als "schlesische Nachtigall" (Sie verfasste Gedichte, deren Komik den Leser zum Lachen brachte.) geschmälert. Eine weitere bedeutende Persönlichkeit in der Frauenbewegung war Bertha Pappenheim (1859-1936). Sie gründete 1904 in Frankfurt den Jüdischen Frauenbund, welcher eng mit der deutschen Frauenbewegung zusammenarbeitete. Außerdem kämpfte sie gegen Prostitution und die Benachteiligung uneheliche Kinder. In der Nähe von Frankfurt gründete sie ein Heim für Prostituierte. Sie wurde 1936 durch Gestapo-Beamte ermordet. Alice Coblens-Bensheimer (1864-1957) war 25 Jahre lang die Schriftführerin des Bundes Deutscher Frauenvereine. Von großer Bedeutung war ebenfalls Alice Salomon (1872-1948). Sie leitete unter anderem eine Soziale Frauenschule und die Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit in Berlin. Henriette Katzenstein-Fürth (1861-1939) war die Mitbegründerin der Deutschen Mutterschutzbewegung und sie war in der Jüdischen Sozialfürsorge tätig. Kunst In der Kunstgeschichte der Juden vollzog sich im 19./20. Jahrhundert
eine Revolutionierung. Wichtig für diesen Zeitabschnitt war der 1887
geborene Herwarth Walden. Er komponierte, schrieb Dramen und Kritiken.
Durch seine Erfahrung als Redakteur literarischer Zeitschriften gründete
er 1910 die Zeitschrift Der Sturm". 1912 eröffnete er den Sturm-Kunstsalon,
in der die Gruppe des Blauen Reiter" in der Ausstellung präsentiert
wurde. Kurz darauf zeigte er Künstler des französischen und deutschen
Expressionismus und wurde damit zu einem bedeutenden Förderer moderner
Kunst. Werke von Paul Klee und Jüdische Maler, Bildhauer und Graphiker in Deutschland wirkten
vor allem in der allgemeinen Kunstbewegung der Zeit. Künstler, wie
Herman Strunk, Ephraim Mose Lilien, Jaseph Budko, Jakom Steinhardt, Lesser
und Jankel Adler beschäftigten sich vorwiegend mit jüdischen
Themen. Einige entwickelten ihre eigene Weltanschauung. Otto Freundlich,
der 1943 ermordet wurde, sprach von einer kosmischen Moral", was sich
auch in seinen Werken (Beispiel: Die Mutter) deutlich wird. Die Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg widerspiegelte vielfältigste Eindrücke.
Nikolaus Brauns malte 1921 im typischen Berliner Kunststil seine Straßenszenen
realistisch. Er gibt die beängstigende Entfremdung, Hektik und Tempo
als Vertreter der Großstadtmalerei wieder. Viele zu dieser Zeit entstandene
Werke vermitteln Ängste, Schwermut und Notstände jüdischer
Familien. Felix Nußbaun, 1904 geboren und 1944 in Auschwitz ermordet,
entwarf das Motiv des Leierkastenmanns ebenfalls im Berliner Kunststil.
Berliner Arbeiterviertel, Hinterhöfe und traurige Augen sind Elemente
vieler Werke von jüdischen Künstlern.
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